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„Frieden stiften – aber wie?“

23. Feb 2026

Berliner Studientag war gut besucht

Pfarrerin Barbara Hustedt vom Konvent der Ökumenebeauftragten im Sprengel Berlin und Bernd Streich, vom Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin begrüßten 75 interessierte Besucher zum alljährlichen Ökumenetreffen im Evangelischen Zentrum an der Georgenkirchstraße im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg – seit 25 Jahren im Geist der Ökumene.

Erwartet wurde 2026 ein spannendes Streitgespräch zur neuen Friedensdenkschrift der EKD, vorgetragen von Dr. Friederike Krippner, Direktorin der Evangelischen Akademie zu Berlin und Dr. Stefan Silber vom Wissenschaftlichen Beirat der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi, deutsche Sektion.

Beide Seiten stellten ihre Positionen vor. Dr. Krippner verteidigte die Friedensdenkschrift und ihre Positionen, um zwischen biblischer Friedensverheißung und heutiger Lebenswirklichkeit ein notwendiges politisches Handeln zu ermöglichen. Sie erläuterte die „rechtserhaltende“ Gewalt und sprach zu den Themenfeldern Klima und Wehrpflicht. Die EKD gehe damit einen „politischen Weg“. Sie bestritt, dass die Schrift einen atomaren Erstschlag rechtfertige. 

Die Gegenposition vertrat Dr. Stefan Silber, der pazifistischen Gedanken Raum gab: der Frieden sei der Weg – eingebunden in Dialog, Verständigung und zivilen Widerstand. Jesus sei als Prototyp der gewaltfreien Bewegung anzusehen. Gewalt lasse sich nicht mit Gewalt beantworten. Wichtig sei den Frieden zu üben. Einig waren sich beide Referenten im vierten Kriegsjahr der Ukraine, dass ihre dortigen Gesprächspartner sie als Christen in Westeuropa aufriefen, die Menschen in Kiew und anderswo zu besuchen und miteinander zu sprechen. 

Das Streitgespräch moderierte Stefan Förner, Pressesprecher im Erzbistum Berlin. Er sammelte zahlreiche Fragen der Anwesenden und bündelte sie. Besondere Kritik kam von ehemaligen Christen aus der DDR, die neue EKD-Denkschrift sei 40 Jahre zurück und lasse alte Friedensfragen z.B. der Synode in Görlitz 1987
außer acht, wo es um deutliche Absagen an Geist und Praxis der Abschreckung ging und Friedenserziehung dringend gefordert wurde. Aus Ökumenischer Perspektive wurde auch der evangelische Alleingang der Denkschrift kritisiert. In fünf Workshops wurden die Fragen am Nachmittag vertieft.

Ein Friedensgebet im „Paul-Gerhard-Raum“ mit seiner schönen Andachtsatmosphäre und der musikalischen Gestaltung von Dr. Lukas Hetzelein am Flügel endete mit dem Wunsch: „… so lass auch uns zu Friedensstiftern werden“. – Pfarrerin Barbara Hustedt verabschiedete die Anwesenden als Gastgeberin mit der herzlichen Einladung auf ein Wiedersehen beim Ökumenetreffen 2027. – Auf 200 Jahre Missionsgeschichte verweist dieser evangelische Ort, den viele erstmals besuchten. Baustile der Gründerzeit und aus wilhelminischer Epoche, aber auch der Gegenwart (1996) prägen das evangelische Zentrum. Der hohe alte Baum im Innenhof, wusste eine Teilnehmerin noch an der Tram-Haltestelle „Greifswalder Straße“ zu berichten, konnte seinerzeit in seinem Bestand durch ihre Initiative mit rettet werden.

Das Ökumenetreffen gibt es seit 2001 – einst mit Blick auf den ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin geschaffen, wo auch die „Charta Oekumenica“, erarbeitet von allen Kirchen Europas, erstmals verabschiedet wurde. Sie ist weiterhin wegweisend für die Ökumene, so auch bei der Jahrestagung der ACK am 15. September 2026 in Berlin, worauf Dr. Ulrich Schöntube, Direktor des Berliner Missionswerkes, vorausblickend aufmerksam machte.

Anne-Dore Jakob, Sachausschuss Ökumene u. interreligiöser Dialog v. Diözesanrat und pax christi